Thema: Parzival � mitten durch
Zeitraum: 26.-30.4.2010
Konzept:
Die Parzivalschule setzt sich in Form eines Kunstprojekts mit
der Geschichte und symbolischen Bedeutung ihres Namengebers auseinander.
Parzival = Percer Ã&xnbsp; val bedeutet â€�mitten durch das Talâ€� und ist
ein Sinnbild für die schwierige Situation der Jugendlichen an dieser
Schule.
Zentrale Motive der Parzivalsage sollen unter Einbeziehung
persönlicher Erlebnisse der SchülerInnen in einzelnen Kunstprojekten
interdisziplinär umgesetzt werden, bildnerische Arbeiten als Dokument
der gemeinsamen Arbeit den schulischen Lebensraum sichtbar verändern.
Was in der Parzivalsage als interkultureller Dialog durch die Begegnung
von Parzival mit seinem farbigen Halbbruder Feirefiz ins Bild gesetzt
wird, kann durch die Kunstprojekte real in der gemeinsamen
Zusammenarbeit der Schüler untereinander entstehen. (Es gibt einen 55%
hohen Ausländeranteil).
Einige Fotoimpressionen aus Belgien
Geplante Projekte:
Chor mit allen Beteiligten: hier wird u.a. ein gemeinsamer Parzival-Song einstudiert, den Friedemann Geisler für die Schule komponiert hat.
Danach einzelne Workshops:
- Klasse 7: Illustration der Parzivalgeschichte als Landschaftswandmalerei mit Silhouetten der SchülerInnen (Ulrika Eller-Rüter)
- Klasse 8: Percussion, Bau von einfachen Rhythmusinstrumenten (Friedemann Geisler)
- Klasse 9 : Illustration der Parzivalgeschichte in druckgrafischen Zyklen (Tihana Biscan, Absolventin Alanus Hochschule/ Malerei)
- Klasse 10 : Plastisches Gestalten zum Parzivalmotiv: der Gral (Nora Mertens, Absolventin Alanus Hochschule/ Bildhauerei)
- Klasse 11 : Fotokurs zum interkulturellen Dialog:
Multikulti auf der Spur (Feirefiz-Motiv) (Ruth Gerresheim, Mirjam
Wingender, Absolventinnen der Alanus Hochschule/Malerei)
Schülergruppe:
Klasse 7- 11 wurden in 5 Gruppen aufgeteilt, mit jeweils 8-15
Schülerinnen. Es waren mindestens zwei Lehrer in jeder Gruppe aus der
Schule dabei.
Tagesstruktur
-
8.30 Uhr Beginn mit Chor (alle Beteiligten), ca. 40 Minuten
- 9.15 Uhr � 12.30 Uhr 1. Phase Workshops (Pause dazwischen legen die Kursleiter selbst fest)
- 12.30 -13.30 Uhr Mittagspause
- 13.30 -14.00 Uhr Chor
- 14.00- 15.30 Uhr 2. Phase der Workshops (Pause dazwischen legen die Kursleiter selbst fest)
Am Freitag, den 30.4.2010 soll um 14.30-15.30 Uhr ein kleines Abschlusskonzert und die Präsentation der Ergebnisse stattfinden.
Bericht:
Zum zweiten Mal war die Parzival-Schule Schauplatz eines
interdisziplinären Kunst-Projektes, zu dem diesmal Künstler aus vier
verschiedenen Disziplinen anreisten: Musik, Malerei, Bildhauerei,
Fotografie. Die Lehrer hatten alles in der Schule bestens vorbereitet,
die Räume mit Material ausgestattet, die Schüler der Klassen 7-11
eingestimmt.
Als wir uns zum ersten Mal am Montagmorgen mit allen zum Chor
trafen, begegnete uns frohe Erwartung bis reservierte Neugier. Die
Schülergruppe hatte bis dato noch nie gemeinsam gesungen. So war der
erste Einstieg mühselig. Man stand in Klassenblöcke gruppiert in dem
gro�en Raum einander gegenüber, sich gegenseitig beobachtend. Das war
scheinbar erst einmal peinlich, es war kaum etwas wie Gesang zu hören.
Am dritten Tag brach das Eis, es entstand ein echter Chorklang. Alle
hatten sich an die Situation gewöhnt, zumal jetzt das Sitzen auf Stühlen
Halt bot. Bis zur Präsentation übten wir drei Kanons, die alle
mindestens dreistimmig erklangen. Auch der für die Schule und das
Projekt komponierte Parcivalsong war angenommen worden. Wie ein Ohrwurm
wurde er zwischendurch geträllert und in dem kleinen Konzert mit satter
Stimme geschmettert.
Die Klasse 7 hatte den Auftrag eine ca. 13
m x 3,50 m gro�e Wand zum Parzival-Thema zu bemalen. Dazu bereitete
Ulrika Eller-Rüter die Gruppe entsprechend vor: mit Farbübungen zu Hell
und Dunkel, Landschaftsstudien und Minutenskizzen mit Seelengesten, für
die einzelne Schüler Modell standen. Die Grundlage für die Wandmalerei
bildete einerseits eine Landschaftskulisse, die aus der frisch sanierten
Wand herausgearbeitet wurde und andererseits Schatten, die Stationen
der Parzivalgeschichte ausdrücken sollten. Durch das schöne Wetter war
es möglich die SchülerInnen in unterschiedlichen Rollen im
Sonnenlicht�posen� zu lassen und die Schatten zu fotografieren. Die
besten Ergebnisse wurden in der Klasse nach ihrer Ausdrucksqualität
befragt und anschlie�end an die Wand projiziert und gemalt. Die Schatten
drückten verschiedene Emotionen aus und spielten durch die Gesten und
Figurenkonstellationen auf den Parzivalweg an: auf Kindheit, Rittertum,
Kampf, Liebe, Krise. Mit Hingabe und wachsender Ausdauer malten viele
SchülerInnen an dem gro�en Werk. Die Intensität des Einsatzes hing von
der Konzentration der einzelnen ab.
Klasse 8 trommelte mit Congas, Bongos,
Djemben und bastelte Rhythmusinstrumente aus Pappe, Rundhölzern,
Aststücken, Kronkorken usw. Manch einer feilte an dem Design seines
Instrumentes mit besonderer Intensität. Die Bemalung perfektionierte die
Optik. Nach einer Woche intensivster Arbeit konnten die SchülerInnen
ein kleines Konzert präsentieren, bei dem auch die selbstgebauten
Instrumente wie Shaker, Rasseln, Klanghölzer zum Einsatz kamen. Die
Gruppe war offensichtlich sehr motiviert und eigeninitiativ. Manches
hervorragende Talent konnte entdeckt werden wie die Soli bewiesen. Der
Beifall für die sehr beachtlichen Leistungen war stürmisch.
Klasse 9 wurde von Tihana Biscan mit den
Grundlagen des Linolschnitts vertraut gemacht. Die SchülerInnen
erarbeiteten sich ein Gefühl für Form, Linie und Fläche. Mit dem
Linolschnitt zeichneten sie die Parcivalgeschichte als eigenen Lebensweg
nach. Es entstanden abwechslungsreiche Motive, die im Schulgebäude
ihren Platz fanden: abstrakte Formen, die an Labyrinthe erinnern, Bäume
in Kombination mit Begriffen, die den Schülern wichtig sind,
Darstellungen des eigenen Kopfes in Profilansicht. Durch den Bezug zu
den eigenen Emotionen und zur eigenen Person war eine starke
Identifikation der SchülerInnen mit ihrer Arbeit möglich.
Klasse 10 arbeitete mit Nora Mertes
einerseits plastisch und andererseits mit Graffiti. In Gips entstanden
Reliefs für das Schulgebäude, auf denen �Wege� durch Abdrücke von
Alltagsgegenständen markiert sind, Dinge als Wegmarken, Wegbegleiter,
Spuren. Mit Ton bildeten die SchülerInnen au�erdem eine�Gralsschale� in
Handgrö�e nach. Danach goss jeder einzeln seine Hand in einer selbst
gewählten Geste in Gips aus. Alle Hände wurden auf einer runden Platte
wiederum zu eine �Gralsschale� angeordnet und im Eingangsbereich der
Schule platziert. Das Parzivalthema konnte auf diese Weise eindruckvoll
für die Gegenwart umgedeutet werden. Der gesamte Arbeitsprozess wurde
durch Fotos und Zeichnungen vielfältig aus verschiedenen Perspektiven
reflektiert. Damit ergab sich für die SchülerInnen die Möglichkeit,
immer neue Zugänge zum Thema zu finden. Als Gegengewicht zu der
plastischen Arbeit setzten sie sich mit dem Graffiti auseinander und
konnten hier ganz spontan agieren. In der Kombination von Bild und
Schrift verliehen sie ihren Emotionen Ausdruck.
Klasse 11 setzte sich unter der Anleitung
von Ruth Gerresheim und Mirjam Wingender mit dem Dialog von Ich und Du
fotografisch auseinander. Dabei lernten die SchülerInnen u.a. die
Technik der künstlerischen Fotografie kennen. In Collagen zeigten sie
Gesichtshälften verschiedener Portraits. Sie fotografierten sich in
�Posen� und im Kontrast dazu in nicht gestellten Gesten und Situationen
und konnten so unterschiedlichste Seiten von sich selbst beobachten und
kennenlernen. Eine Vielfalt von hochwertigen und ausdrucksvollen Fotos
ist auch in �Inszenierungen� entstanden. Der interaktive Prozess
zwischen den Schülern wurde durch zeichnerische �bungen und Warm- ups
unterstützt. Eine umfassende Ausstellung krönte die Arbeit.
Der lang anhaltende Applaus belohnte nach der Präsentation
alle Akteure für die hervorragend gelungene Arbeit und gab den
SchülerInnen eine sehr positive Rückmeldung.
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